Dachau – Ein Tag fast ohne Fotos

Dies wird sehr wahrscheinlich der ernsteste und persönlichste Beitrag, den ich in diesem Blog verfasst habe und verfassen werde. Ich habe auch überlegt, ob ich überhaupt etwas dazu schreiben soll, doch letztlich finde ich das Thema wichtig und will es deshalb nicht auslassen.
Ich habe mich vor einigen Tagen auf den Weg gemacht, einen Ort zu besuchen, der wie kaum ein anderer für  den dunkelsten Teil der deutschen Geschichte steht:
Die KZ-Gedenkstätte in Dachau

Ich habe diesen Ort nicht primär besucht, um Bilder zu machen, sondern weil ich ein persönliches Interesse daran hatte. Ich bin der Meinung, dass wir uns, in der heuteigen Zeit mehr denn je, unserer Geschichte bewusst sein müssen.
Da ich ohnehin in Bayern war, bot sich der Besuch also an. Doch ich wollte nicht einfach so nach Dachau fahren, denn was einen hier erwartet, ist ein ernstes Thema, dem man sich nicht so einfach nähert, dachte ich. Darum habe ich mich mit der Geschichte von Dachau beschäftigt, habe gelesen und mir Dokumentationen angesehen. Alles mit dem Ziel, zu wissen, was mich in Dachau erwarten wird.
Ich war der Meinung, ich hätte mich gut vorbereitet.

Da habe ich mich geirrt!

Auf das, was einen hier erwartet, kann man sich nicht vorbereiten. Das ist zumindest meine Erfahrung.
Ich habe den Apellplatz betreten und war so überwältigt vom Ausmaß der Größe des Geländes und der Atmosphäre das mir die Tränen gekommen sind. Ich hatte das Gefühl, das Leid, das hier herrschte einatmen zu können.

Und diese Stimmung bleibt bestehen, bis man schließlich durch das Tor mit der bekannten Aufschrift „Arbeit macht frei“ hinaustritt. Erst hier hatte ich das Gefühl, wieder tief durchatmen zu können.

Doch bis zu diesem Moment dauerte es etwa 2 1/2 Stunden, die ich brauchte, um durch die Gedenkstätte zu gehen und mir anzusehen, was ausgestellt ist.

Hier gibt es Dokumente, Zeitpläne, Fotos und immer wieder Berichte von Insassen. Immer mehr wird einem bewusst, was hier tatsächlich geschehen ist. Wie groß das Leid gewesen sein muss kann man jedoch nur erahnen. Unbegreiflich ist, was hier geschehen ist. Und mit jedem Schritt den ich weiter ging, wurde ich mehr vom Thema übermannt. Immer wieder hatte ich einen dicken Kloß im Hals. Fast schien es so, als wollte mich die Ausstellung schrittweise auf das Vorbereiten, was am Ende auf mich wartete: Der Krematoriumsbereich in dem sich auch die Gaskammer befindet.

Dieser Ort war für mich zutiefst verstörend!

All das, das Leid und die Stimmung, haben dafür gesorgt, dass mir die Lust auf das Fotografieren vergangen ist. Bis auf ganz wenige Motive habe ich keine Bilder gemacht.

Und so wie mir, schien es den meisten zu gehen. Ich sah viele betroffene Mienen, Gesichter die zu Boden blickten oder mit leerem Blick starrten.

Aber einige, gar nicht wenige, gingen anders mit dem um, was sie hier erwartete. Einige machten fröhlich Selfies, posierten für Fotos etwa vor dem Eingangstor oder an der Gaskammer. Zwei Männer kamen sogar grinsend aus der Gaskammer. Manche liefen fröhlich über das Gelände.

Was mir hier am deutlichsten für unsere Zeit bewusst geworden ist, ist die Erkenntnis, dass wir uns dem Umgang mit den neuen Medien bewusster werden müssen. Nicht jeder Ort bietet sich für ein Selfie an und manchmal sollte man das Handy vielleicht besser stecken lassen.

Eigentlich möchte ich dieses Verhalten nicht verurteilen, denn ich unterstelle diesen Menschen, dass sie entweder nicht wissen, wie sie mit dem Thema Holocaust umgehen sollen, oder zu ignorant sind es zu verstehen.

Doch was ich nicht verstehe, und ganz klar verurteile, sind Menschen, die bis heute behaupten, dass es den Holocaust nicht gegeben hat, oder ihn sogar verherrlichen.
Diesen Menschen kann ich nur raten, sich die Gedenkstätte in Dachau oder an anderer Stelle anzusehen.

Denn mir ist seit meines Besuchs bewusster denn je geworden, dass es wichtig ist, sich gegen alle zu stellen, die nur im Ansatz mit dem sympathisieren was damals passiert ist. Hierzu zählt für mich genauso AFD, Pegida & Co die seit einigen Jahren einen erschreckenden Aufschwung erfahren.

Ein Wort zum Schluss:
Das Beitragsbild ist eines der Wenigen, die ich in Dachau gemacht habe. Ich habe lange überlegt, ob ich diesem Beitrag überhaupt ein Bild hinzufügen möchte, doch ich finde, dieses Foto stellt gut die schiere Größe der Anlage dar. Jedes der Kiesbetten steht für eine der Baracken, von denen man eine Besuchen kann. Doch wirklich kann man es erst wahrnehmen, wenn man selbst in Dachau ist.

Für alle, die sich etwas mehr mit dem Thema beschäftigen möchten, empfehle ich die Website der Gedenkstätte in Dachau.

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